Volpe rosso nero

Das Bessere ist des Guten Feind- diese alte Weisheit hat zur Entstehung des Volpe rosso nero geführt. Schon in seiner ersten Inkarnation zeigte das "alte" Volpe hervorragende Eigenschaften. Aber es stellte sich das unbestimmte Gefühl ein, das da noch einiges zu machen sei, wenn man nur an den richtigen Schrauben drehe.
Und so entschloß ich mich zu einer radikalen Kur, einem völligen Neuaufbau. Wieder stellt der Generator des Denon DL103 das Herzstück des Tonabnehmers dar, doch diesmal von allen Außenhüllen befreit. Was nicht vorhanden ist kann nicht resonieren.
Da man aber ein Tonabnehmersystem ordentlich befestigen muß ist eine Montageplattform unerläßlich. Diese wird aus einem speziellen, schichtweise aufgebauten Kunststoff dreidimensional so präzise ausgefräst, das ein "entkerntes" DL103 schon ohne zusätzliche Verklebung fest sitzt.
Dieses Material besitzt auch eine hohe Stabilität und resonanzabsorbierende Eigenschaften. Auf der oberen Montagefläche sind Längsrillen eingefräst, die doppelte Funktionalität aufweisen: Einerseits verhindern sie die Ausbildung von flächigen Resonanzen und sie ermöglichen durch einlegen von 1mm dicken Karbonstäbchen auch einen vom Headshell "distanzierten" Einbau.
Zusätzlich wurde an den sensiblen Stellen der Anschlußstifte eine Abdeckung eingeführt die ein Berühren des extrem dünnen Spulendrähtchens unmöglich macht.
Es bot sich an die neue Montageplattform gleich mit Gewinden M 2,5mm zu versehen damit die nervige Fummelei mit Muttern gar nicht erst entsteht.
Ein zusätzlicher Eisen-Neodymmagnet, befestigt auf dem Frontpol des magnetischen Jochs, hat zwei Aufgaben: Einerseits wirkt er als magnetischer Staubsauger indem er alle magnetisierbaren metallischen Teilchen anzieht und dadurch verhindert, daß diese sich im Luftspalt vor oder hinter der Spule festsetzen. Von diesen Teilchen schwirren genug in der Luft herum, man denke nur an den Abrieb von Bremsklötzen und Bremsscheiben. Laut Van den Hul sind etwa 20% der bei ihm zur Reparatur angelieferten Systeme dadurch defekt, daß sich im Luftspalt Fremdpartikel befinden die dort sicherlich nicht hingehören. Eine dortige Unterbrechung der Spulendrähte ist im Allgemeinen irreparabel.
Noch wichtiger ist aber seine Funktion als verstärkendes Element des gesamten magnetischen Feldes. Dadurch wird eine leichte Erhöhung der Ausgangsspannung erzeugt und ein Reduktion der Intermodulationsverzerrungen. Letzteres bewirkt eine verbesserte Durchhörbarkeit und sauberere Höhenwiedergabe.
Der Funktionsmechanismus ist eigentlich recht simpel: Die Bewegung der Spule im Magnetfeld erzeugt eine Spannung, die hörbar gemacht wird. Bei einer Spannung fliest auch immer Strom. Dieser wiederum erzeugt sein eigenes Magnetfeld, man nennt dieses Verhalten "Gegeninduktion", welches wiederum das äußere Magnetfeld moduliert. Der zusätzliche Magnet erhöht die Feldstärke im Spalt und reduziert die Gegeninduktionseinflüsse.
Natürlich ist das Volpe rosso nero wieder mit dem Nadelträger aus Bor und der dazugehörigen Nadel von Van den Hul ausgestattet. Die bewegte Masse des Tonabnehmers wird so wirkungsvoll reduziert und dadurch die Resonanzfrequenz nach oben verschoben. Zudem besitzt Bor als sehr hartes Material gegenüber Aluminium eine wesentlich höhere Steifigkeit, was den Einfluß des Nadelträgers auf das zu übertragende Signal reduziert.
Zuletzt wird der komplette Tonabnehmer auf -190░Celsius abgekühlt. 7 Stunden geht es abwärts von normaler Umgebungstemperatur in Richtung -190░C (eigentlich -196░C, denn das ist der Siedepunkt von flüssigem Stickstoff, aber ein paar Verluste sind schon vorhanden), verbleibt 14 Stunden in diesem Zustand und wird dann genauso langsam wieder erwärmt. Diese Behandlung sorgt nicht nur im Kupferdraht der Spule für ein Ausheilen der Struktur und ein deshalb nahezu "ideales" Kristallgitter sondern erzeugt im Lagergummi so viel mechanischen Streß, daß das sogenannte Einspielen völlig entfällt.




Technische Daten:

Aufbau:offenes System im Systemkörper aus speziell gepreßten Schichtmaterial fixiert
Arbeitsprinzip: Moving Coil
Ausgangsspannung: 0,35mV bei 1kHz und 5,6cm/s horizontal
Kanalungleichheit: <1dB
Kanaltrennung: >25 dB
Generatorimpedanz: 40 Ohm plus/minus 20% bei 1 kHz
Nachgiebigkeit: 5 x 10 hoch minus 6 cm/dyne (Denon Datenblatt, gemessen ca. 10 x 10 hoch minus 6)
Auflagegewicht: 2,5p plus/minus 0,3p
Frequenzgang: 20Hz bis 45kHz
Nadelträger: Boronröhrchen
Abtastdiamant: Van den Hul
Zusatzmagnet: Eisen-Neodym zur Feldlinearisierung und Intermodulationsreduktion
wirkt auch als magnetischer "Staubsauger"
Gewicht: 10,1p
Abschlußimpedanz:> 100 Ohm, empfohlen 1000 Ohm
Besonderheiten: integrierte 2,5mm Gewinde, Resonanzmindernde eingefräste Längsrillen, Schutzvorrichtung für die angelöteten Drähte an den Anschlußpins, cyrogenic Treatement (Ultratiefkühlung bei minus 190░ C)
Abtastfähigkeit: Mit geeignetem Tonarm bei 2,5p Auflagekraft > 80Ám (Ortofon Test Record)



Selbstverständlich läßt sich das Tiefkühlverfahren auch bei anderen Tonabnehmern anwenden. Verständlicherweise kann ich keine Voraussagen für diese Tonabnehmer in klanglicher Hinsicht abgeben. Außerdem schließe ich einige Modelle von dieser Behandlung aus (z.B. mit Holzkörper oder Decca Systeme). Ebenfalls bemerken möchte ich, daß diese Anwendung auf eigenes Risiko jeder Person läuft, die mir einen Tonabnehmer zusendet.